Monitore einmessen

Prinzipiell sollte man sich angewöhnen Audiomaterial, bei gleichbleibender Lautstärke zu produzieren, ob Musik, Effekte, Ambiences etc.. Das schont nicht nur die Ohren, sondern ist auch unerlässlich für die objektive Lautheits-Beurteilung von Euren Mixen. Spätesten bei einem sehr dynamischen Programm, wie z.B. Sounddesign für Film  ist man auf solche Standards angewiesen. Ein weiterer Vorteil ist die gleichbleibende Lautstärke bei unterschiedlichen Monitorkonfigurationen (Zweit- oder Dritt-Monitore).

Heutzutage kann das recht kostengünstig erledigt werden. Hier eine Liste, was man außer  dem Computer mit DAW, Audio-Interface bzw. dem Mixer mit Outboard-Geräten und den Monitoren noch dazu benötigt:

  • Smartphone
  • SPL App für Smartphone
  • Tongenerator mit Pink-Noise (meist in der DAW unter Testtongenerator als PlugIn zu finden, oder bei manchen mixern mit onboard)

Als ersten Schritt für eine Standardisierung misst man die Abhör-Monitore ein.

Einmessen der Monitore

  1. stellt das Lever der Monitore auf 0 ein (sollte nichts mehr zu hören sein).
  2. stellt das Volumen des Audio-Interfaces auf 0 ein (Unity).
  3. ladet den Testtongenerator in die DAW und stellt das PlugIn oder den Kanal auf -20 dB
  4. Testtongenerator oder den Kanal vorerst muten
  5. pannt den Kanal auf den Monitor, den Ihr einmessen wollt – es werden alle Monitore nacheinander eingemessen
  6. stellt die SPL-Mess-App auf Eurem Smartphone auf: C-weighted, Slow Response ein.
  7. positioniert das Smartphone mit SPL-Mess-App auf Ohrenhöhe im Sweetspot Eurer Monitore (gleichschenkliges Dreieck mit 30° an den Boxenecken).
  8. stellt die Lautstärke des einzumessenden Monitors so laut ein, das auf der SPL-Mess-App 80 dB angezeigt wird.
  9. Wiederholt dieses Verfahren für jede Monitorbox

Im zweiten Schritt legt man seine private Abhörlautstärke fest.

Welche Abhörlautstärke?

Wenn die Monitore auf oben beschriebenen Weg eingemessen wurden, dann gilt:

  1. alle Monitore sind gleichlaut
  2. die Abhörlautstärke beträgt bei Unity-Einstellung(0) des Audio-interfaces

Die Abhörlautstärke lässt sich nun bequem über das Audio-interface bzw. den Mixer eintellen. Mit obigen Verfahren wird lediglich die Maximal-Abhörlautstärke eingestellt. Auf welche reale Dezibel-Anzahl Ihr Eure Abhörlautstärke einstellt, hängt natürlich auch von akustischen Gegebenheiten ab und von persönlichen Präferenzen. Die max. Abhörlautstärke sollte zwischen 75 und 85 dB liegen, da die Fletcher-Munson-Kurve zeigt, dass 85 dB/SPL Abhörschalldruck in der Hörposition das am besten ausgeglichene Bass-Mitten-Höhen-Verhältnis widerspiegelt (Abb. 1). und von unseren Ohren einige Stunden auf einen Arbeitstag verteilt schadlos ertragen werden kann.

Fletcher-Munson Kurven
Abb. 1: Die Fletcher-Munson Kurven zeigen die Sensibilität des menschlichen Gehörs in Bezug auf Frequenzen, abhängig zur Lautstärke.

Es bietet sich an, wenn man Musik produziert bzw. mischt, die Abhören auf diese Maximal-Abhörlautstärke zu kalibrieren. In Studios, in denen für den Filmsound gemischt wird, beträgt die max. Abhörlautstärke 83 dB/SPL laut des Dolbystandards aus den 1970er Jahren. Doch die Abhörlautstärke von 85 dB/SPL ist schon sehr laut, und im Homestudio bzw. Bedroom-Studio auf Dauer nicht besonders nachbarschaftsfreundlich.

Unterschiedliche Abhörlautstärken können flexibel genutzt werden, damit das Gehör nicht so schnell ermüdet:

  • laut: 85 dB/SPL
  • mittel: 60 dB/SPL
  • leise: 45 dB/SPL

Das Mixing bzw. Sounddesign könnte prinzipiell auf mittlerer Lautstärke passieren, der Mix wird dann mit den beiden Extrem-Lautstärken überprüft. Wichtig dabei ist, das Ihr Euch die Faderposition merkt bzw. markiert. Damit die gleiche Position (Fader/Knopf) das nächste mal wieder abgerufen eingestellt werden kann.

Resumee

Die hier vorgestellte kostengünstige Methode ist für den Einstieg geeignet, da die Mikrofone in Smartphones verständlicherweise für die menschliche Stimme optimiert sind. Für eine professionelle Boxenkalibrierung ist ein spezielles Schalldruck-Messgerät samt dazu gehörigem Mikrofon mit linearen Frequenzgang notwendig.

Trotzdem kommt man mit der vorgestellten Methode dem Ziel etwas näher: Die Arbeitsweise mit statischen Referenzabhörpegeln macht über über einen längeren Zeitraum eine recht objektive Beurteilung von Mischverhältnissen und Lautstärken möglich.